Arbeitsansätze
Das Fanprojekt Mainz e. V. arbeitet seit 1994 auf Basis des „Nationen Konzepts Sport und Sicherheit“ (NKSS) als eigenständiger eingetragener Verein. Im Bereich der präventiven Arbeit mit Fußballfans haben nur langfristig angelegte Projekte Erfolgsaussichten. Wir orientieren uns in unserer praktischen Arbeit an dem „Fanalltag“ der Zielgruppe Fußballfans und die Verhinderung bzw. Reduzierung von Gewalt und extremistischer Orientierungen sind eine wichtige Zielsetzung des Fanprojekts. Wir fungieren in diesem Zusammenhang als Bindeglied zwischen Fans einerseits und den jeweils relevanten gesellschaftlichen Institutionen andererseits. Wir versuchen auf diese Art und Weise die Position der Fans zu vermitteln und so für mehr Verständnis und Anerkennung dieser Jugendkultur zu werben. Durch Angebote im Kontext „Fußball“ sollen vor allem die positiven Aspekte des „Fanseins“ vermittelt werden. Die Bereitstellung sozialer Räume und die Unterstützung bei Alltagsnöten und bedrückenden Lebenssituationen sollen die Ganzheitlichkeit unseres Tuns betonen und unterstützen.
Ziele
Reduzierung und Verhinderung von Gewalt in jeder Form und Abbau extremistischer Orientierungen. Integration jugendlicher Mainz 05- Anhänger in die Fanszene und Vermeidung von Ausgrenzung.
Wir wollen bei allen beteiligten Institutionen das Bewusstsein für diese Jugendkultur schärfen und dadurch mehr Verständnis und Engagement für ebendiese erzeugen.
Angebote
- Aufsuchende und akzeptierende Jugendarbeit im Sinne einer lebensweltorientierten Sozialarbeit (Begleitung zu Heim- und Auswärtsspielen, Besuche an Treffpunkten, Beziehungsarbeit, Bereitstellung von Räumlichkeiten als Fantreff)
- Beratungstätigkeiten (bei familiären Problemen, bei finanziellen Schwierigkeiten, bei Suchtproblemen, bei arbeitsrelevanten Themen usw.)
- Organisation von Jugendbegegnungen (z. B. Fan-Turniere, Feste, U-18-Fahrten, u. ä.), Freizeitangebote (Kanufahrten, Besinnungstage), Unterstützung der Fans bei Selbstorganisationen (z.B. Fanclubs) und Öffentlichkeitsarbeit.
Aktionen
Spielbegleitungen
Das Begleiten der Fans zu den jeweiligen Auswärtsspielen gehört zum festen Repertoire der Arbeitsplanung. Besonders während des mehrstündigen, intensiven Beisammenseins wachsen allmählich Beziehungen, die wiederum für den auf Langfristigkeit ausgelegten Prozess der lebensweltorientierten Fanbetreuung eine enorme Bereicherung sind. Jene oft spontanen Kontakte, die sich gleichsam schleichend ausbilden und weiterentwickeln, bilden das Fundament für den Aufbau einer Vertrauensbasis. Es ist darauf zu achten, dass feste Ansprechpartner anwesend sind, also eine personelle Kontinuität bei Spielbegleitungen gewährleistet ist.
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Die Mainzer Fans werden bei allen Heim- und Auswärtsspielen von den Mitarbeitern des Fanprojekts begleitet und ggf. betreut. Diese ständige Präsenz auf dem Terrain „Stadion“ ist für eine Akzeptanz durch die Fans unerlässlich.
Die Einführung lösungsorientierter Gesprächsansätze, die Intention der langfristigen Wirksamkeit und die Entscheidung für bestimmte Handlungsstrategien schöpfen aus diesen stetig wachsenden Ressourcen. Neben teilnehmender Beobachtung und Gesprächen, beinhaltet eine effiziente Begleitung der Fans selbstverständlich auch die Vermittlung zwischen deren Interessen und denen der jeweiligen außenstehenden Interaktionspartner.
Eine wichtige Rolle fällt dem Fanprojekt mit der Vermittlung bei Konfliktsituationen in und um andere Stadien zu.
Runder Tisch
Seit dem Jahr 2005 gibt es in Mainz den sogenannten Runden Tisch. Mindestens einmal im Quartal treffen sich hierbei Vertreter von Mainz 05, den Supporters Mainz, der Ultrászene Mainz, die Fanbeauftragten von Mainz 05 und das Fanprojekt Mainz. Im Rahmen dieses Runden Tisches werden fanrelevante Themen im offenen Dialog besprochen und versucht gemeinsame Lösungen zu finden. Über die Jahre hat sich hier, vor allem durch personelle Konstanz auf allen Seiten ein fruchtbares konstruktives Miteinander etabliert. Diese vom Fanprojekt Mainz initiierte Runde wurde über die Jahre eine echte Institution und ist aus dem Zusammenspiel von Fans und Verein nicht mehr wegzudenken.![]()
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Fan-Finale
Seit 1993 treffen sich vor den deutschen Pokalendspielen die Fanprojekte und die von ihnen betreuten Jugendlichen in Berlin auf der Sportanlage Jungfernheide in Charlottenburg, um das sogenannte „Fan-Finale“ auszuspielen.
Veranstaltet wird dieses Fußballturnier für Jugendliche von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG), Ausrichter ist das Fanprojekt der Sportjugend Berlin. Teilnehmen können Teams aus Städten, in denen sozialpädagogisch arbeitende Fanprojekte existieren. Das besondere am Fan-Finale ist u. a. die Tatsache, dass hier an drei Tagen Fans aus teilweise gewaltbereiten Szenen und aus rivalisierenden Fangruppierungen, in konfliktfreier Atmosphäre gemeinsam Fußball spielen und gemeinsam zelten. Es zeigt sich, dass solche Sportveranstaltungen gerade auch mit dieser Zielgruppe eine wichtige Rolle in der gewaltpräventiven Jugendarbeit spielen.
Darüber hinaus zeigt sich hier der Sport – insbesondere auch für Jugendliche, die durch den organisierten Vereinssport aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr erreicht werden – als Motor und Katalysator nicht nur für den Abbau von Vorurteilen und Feindschaften, sondern auch für den Aufbau von Beziehungen und Freundschaften, die bis in den Bundesligaalltag hinein wirken. So haben sich aus den bisherigen Fan-Finales mehrere Fan-Freundschaften entwickelt, die schon über Jahre hinweg Bestand haben.