Geschichte des FP

1 Das erste Fanprojekt entstand 1981 aus universitären Zusammenhängen in Bremen. In den 80er Jahren gründeten sich weitere Fanprojekte, insbesondere in Städten mit größeren Fanszenen, z.B. Berlin, Hamburg, Frankfurt und Dortmund. Diese Projekte kämpften während der gesamten Dekade um Anerkennung und um das finanzielle Überleben, weil sie von den Geldgebern (Kommunen, Ländern, Sportvereinen) nicht als probates Mittel gegen Gewalterscheinungen in Fanszenen angesehen wurden. Erst Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wurde die erfolgreiche soziale Arbeit der etablierten Fanprojekte anerkannt. Mit der Verabschiedung des "Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit" wurde die Finanzierung der Projekte von politischer Seite geregelt und garantiert.

Für die Fanprojekte wurde eine so genannte Drittelfinanzierung zwischen dem Deutschen Fußballbund (DFB), Kommunen und den jeweiligen Ländern vorgeschlagen. Der DFB beschränkte seine Finanzierungszusage zunächst auf 3 Jahre, bis zum Sommer 1996, inzwischen wird diese regelmäßig verlängert.

Das "Nationale Konzept Sport und Sicherheit" regelt auch die Einrichtung einer Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS), die folgende Aufgaben hat:

  • Koordinierung des Informationsaustausches zwischen den örtlichen Fanprojekten
  • Erarbeitung von Konzepten für die Anlass bezogene Jugend - und Sozialarbeit
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Institutionenberatung beim Aufbau neuer Fanprojekte
  • Vorbereitung und Ausrichtung von Tagungen und Symposien

 

Am 26.11.93 wurde das Auswärtsspiel des 1.FSV Mainz 05 gegen Rot-Weiß Essen zum Anlass genommen, ein 3tägiges Fan-Seminar zu veranstalten. Dieses wurde von der DGB-Jugend / Arbeit und Leben organisiert und hatte die Entstehung eines Fanprojekts in Mainz zur Zielsetzung. Es nahmen 21 Fans aus allen Fan-Gruppierungen an dieser Veranstaltung teil, sowie 6 DGB- JugendarbeiterInnen.

In den 3 Tagen wurden in Gruppenarbeit Wünsche und Vorschläge der Fans an ein Fanprojekt erarbeitet und gesammelt. Dazu gehörten unter anderem: Clubraum oder Fancafé, Projektaufkleber und Aufnäher, Öffentlichkeitsarbeit, Turniere, Betreuung bei Auswärtsfahrten, Verbesserung des Verhältnisses zwischen Fans, Verein, Ordnungsdienst und Polizei u. ä.

Dieses Seminar bedeutet rückblickend das Startsignal für die Entstehung des Mainzer Fanprojekts. Ein Jahr später waren Organisation, Raumfrage und Finanzierung geklärt und das Fanprojekt Mainz e.V. wurde im August 1994 aus der Taufe gehoben.

1234  

Zu Beginn waren die Ziele bescheiden. Ein Projekt, etwa in der Größe von Hamburg, Bremen oder Frankfurt erschien illusorisch. Die Idee eines Fanprojektes wurde zwar von vielen begrüßt - etwa dem Jugendministerium oder dem 1. FSV Mainz 05 - konkrete Ergebnisse, auch in Form von finanziellen Zusagen, blieben jedoch aus.

Erst mit der Verabschiedung des „Nationalen Konzeptes für Sport und Sicherheit" durch die Innenminister der Länder, durch direkte Gespräche mit dem Ministerpräsidenten Kurt Beck und durch die professionelle Beratung der Koordinierungsstelle für Fanprojekte in Frankfurt, ergaben sich konkrete Chancen für ein Fanprojekt in Mainz.

120.000,- DM waren also durch den DFB und das Land (Etat des Innenministeriums) gesichert - aber nur dann, wenn das letzte Drittel durch die Stadt Mainz bereitgestellt wurde. Bei der katastrophalen Haushaltslage der Kommunen ein Ding der Unmöglichkeit.
Es wurde von der kommunalen Drittelfinanzierung Abstand genommen und versucht, mit einer örtlichen Drittelfinanzierung das Projekt zu verwirklichen. Diese örtlichen Mittel wurden durch einen Förderkreis, bestehend aus: der Stadt Mainz, dem FSV Mainz 05, der Sportjugend, dem Landessportbund, der IG Chemie-Papier-Keramik, der DGB-Jugend (mit den Beiträgen von ÖTV, HBV und IG-Metall Verwaltungsstelle Mainz) sowie am Anfang von Arbeit und Leben und dem Landesjugendring aufgebracht.

1234

Als Trägerform wurde ein eingetragener Verein gewählt und am Anfang waren alle Beteiligten damit beschäftigt, die Satzung - und damit die Einflussmöglichkeiten der einzelnen Förderkreismitglieder - zu definieren.

Die Verhandlungen über die Vereins- und die dazugehörige Führungsstruktur erwiesen sich als erste Bewährungsprobe. Erschwerend waren die unterschiedlichen Strukturen, die politischen Orientierungen der Partner und die jeweiligen Eigeninteressen der handelnden Personen.
Die hauptamtliche Projektleitung, der Vorstand und ein Fanprojekt-Beirat arbeiten nunmehr seit einigen Jahren konstruktiv im sozialpädagogisch orientierten Fanprojekt Mainz e.V. zusammen.

Auch die sportliche Krise in der Saison 95/96 des FSV Mainz 05, die aus nahe liegenden Gründen auch zur Krise des Fanprojektes wurde, konnte so überwunden werden. Ebenso konnte nunmehr auch ein weiteres Problem gelöst werden.

Ein Fancafé konnte im Januar 1997 mit freundlicher Unterstützung des Haus der Jugend in Mainz seiner Bestimmung übergeben werden und wurde im Zuge der Sanierung des Hauses im Jahr 2009 komplett neu gestaltet.

1234

Bundesweit existieren zwischenzeitlich 50 Fanprojekte an 45 Standorten. Das Fanprojekt Mainz ist das einzige, das von der DGB-Jugend initiiert wurde und das - zwar nicht in eigener Trägerschaft, aber immerhin mit inhaltlicher Kompetenz, personeller Verantwortung und finanzieller Beteiligung - maßgeblich von der DGB-Jugend gestützt wird.

Inzwischen ist das Fanprojekt mit 3,5 hauptamtlichen Stellen ausgestattet. Zudem ist es möglich, Studenten der Sozialpädagogik und ähnlichen Studiengängen Praktikumsstellen zur Verfügung zu stellen bzw. neben den drei hauptamtlichen Mitarbeitern Honorarkräfte zu beschäftigen. Außerdem verfügt das Fanprojekt neben einem Büro in der Neustadt und einem Fancafé im Haus der Jugend auch über eine feste Anlaufstelle im Stadion, die sich als beliebter Treffpunkt der Fans etabliert hat.

Die Arbeit kann grob in drei Bereiche unterteilt werden: Aufsuchende Jugendsozialarbeit bei Heim- und Auswärtsspielen und sonstigen Treffpunkten der Fans, offene Jugendarbeit im Fancafé des Fanprojektes und soziale Beratung.